Kaum ahnt man nichts Böses, fliegt einem prompt ein Blog-Stöckchen an den Schädel - dieses Mal von Nerds gegen Stephan, der sich freundlicherweise auch momentan die Zeit nimmt, mein Katzenbuch zu lesen. Da ist es doch Ehrensache, dass ich mir ein paar Antworten aus dem Hirn zapfe, das ansonsten ziemlich mit der Erstellung der Druckfahne für eben jenes Buch beschäftigt ist.
1. Etwas Kontroverses zu Beginn: "Das Schwarze Auge" oder "Splittermond"?
Ohjeeh, die alte Wunde wird mal wieder benutzt, um kräftig darin zu bohren. Mein Rollenspiel-Erstkontakt erfolgte mit "Das Schwarze Auge" und es hat mich über viele Jahre gut unterhalten und in ferne Welten entführt. Im heutigen Zustand jedoch reizt es mich in seiner überregelten, überfrachteten Version überhaupt nicht mehr. Da mir auch die Welt von Lorakis recht interessant scheint, entscheide ich mich für selbiges.
2. Die selbe Frage fast nochmal: "Dungeons & Dragons" oder "Pathfinder"?
Da ich D&D schon recht gut kenne und lange gespielt habe, gebe ich "Pathfinder" den Vorzug, um mal was Neues kennenzulernen. Man soll ja immer für einem unbekannte Systeme offen sein.
3. Unabhängig vom System: Dungeon Crawling oder Open World?
Da liegt mir 'Open World' mehr - in den meisten Rollenspielwelten kann man so unendlich viel mehr tun, als sich nur damit zu beschäftigen, sich durch Verliese zu hacken und Beute zu suchen. Gerade wenn man als SL gerne die Mitspieler mit unvorhergesehenen Ereignissen konfrontiert, braucht man eine reichhaltige Welt mit vielen Möglichkeiten. Beispielsweise durch einen abwechslungsreichen Bordellbesuch mit unabsehbaren Folgen ...
4. Lange Kampagne oder verschiedene OneShots?
Geht hier auch ein 'und'? Bei einer längeren Kampagne ist ja der Charme, dass man ein Ziel hat, auf das man langfristig hinarbeiten kann, der Hauptmotivator. Aber ohne Zwischenerfolge wird es für die Spieler irgendwann sehr zäh und mühsam, deswegen finde ich in die Kampagne integrierte OneShots mindestens ebenso wichtig.
5. Deine größte Rollenspiel-Enttäuschung des bisherigen Jahres?
Ich bin enttäuscht, wie sehr sich die "Game of Thrones"-Runde, in der ich einmal wöchentlich im TS spiele, in die Richtung einer One-Man-Show eines bestimmten Charakters entwickelt hat, bei dem auch der dahinter sitzende Spieler entsprechende Allüren entwickelt. Für mich ist es ungemein anstrengend, mit sowas umzugehen, weil es in einer großen Spielrunde schlichtweg bedeutet, dass der Rest der Anwesenden zwangsweise kürzer treten muss, damit sich ein Spieler produzieren kann. Für ein gemeinsam ausgeübtes Hobby nicht unbedingt eine Idealvoraussetzung.
6. Wie lang und mit wie vielen Spielern sollte eine ideale Spielsitzung sein?
Rein aus meiner Erfahrung heraus ist eine Spielrunde mit vier, maximal fünf Spielern und einer Länge von etwa vier bis fünf Stunden mit einer Pause zwischendrin ein Idealzustand. Bei längeren Spielzeiten geht normalerweise die Konzentration ziemlich in den Keller, und mehr Spieler bedeutet auch, dass es mehr Wartepausen für diejenigen gibt, die gerade an einer Szene nicht beteiligt sind. Spätestens bei sieben Spielern ist es ungemein schwierig, alle jederzeit gleichzeitig zu beschäftigen - ein SL kann sich schließlich nicht klonen.
7. Es kommen zu wenige Spieler, was tun?
Kein Problem, dann beschäftige ich mich als der fiese Spielleiter, der ich manchmal sein kann, vor allem damit, die verbliebenen Charaktere mit ihren Spielhintergründen zu konfrontieren. Der Freund in Not aus der Vergangenheit beispielsweise, oder eine Angst, die man am liebsten verschweigen würde. Oder aber ein Dieb versucht die Helden zu beklauen - da gibt es so viele Möglichkeiten, Spieler herauszufordern, dass es imho nicht schlimm ist, wenn die Runde mal ein bisschen kleiner ausfällt, ohne dass man mit der Hauptstory weitermachen muss.
8. Eine Entweder-Oder-Frage geht noch: "Star Wars" oder "Star Trek"?
Aus vollstem Herzen: "und" anstelle "oder"! Ein "oder" gibt es bei diesen beiden Welten nicht, für mich war das immer ein "und". Man kann Trekkie wie auch Star-Warsler sein, ohne dass man sich mit anderen Fans prügeln muss.
9. Hast Du schon mal eine(n) Lebenspartner*in mit dem Hobby vergrault?
Nicht dass ich wüsste - ich war schlicht immer mit Nerds verbandelt. Wenn ich in einen akuten Kreativrausch komme, ist das für meine Umwelt nicht immer leicht zu ertragen, aber richtig Stress gab es deswegen bisher auch noch nie. Dazu muss ich sagen, dass sowas imho auch auf Gegenseitigkeit beruht: Wenn mein Lebenspartner also wegen einem neuen Game, auf das er sich lange gefreut hat, mal ein paar Tage lang total darin versackt, gönne ich ihm das auch von Herzen, da ich dieses Gefühl nur zu gut kenne.
10. Hast Du schon mal gelarpt?
Ja, habe ich, sogar jahrelang aktiv. Die letzten Jahre scheiterte es immer am Geld oder an der Zeit, aber ich hoffe doch, dass ich das nächstes Jahr wieder hinbekomme. Denn dafür habe ich einfach auch viel zu viel Spaß an diesem abwechslungsreichen Hobby. Für's LARP habe ich sogar das nähen gelernt ...
11. Ich lad mich bei Dir zum Essen ein. Was gibt es denn?
Hmm ... ich lerne Leute gerne besser kennen, ohne mir einen Larry in der Küche machen zu müssen, also würde ich eine opulente Raclette-Auswahl zusammenstellen, dass man lange am Tisch sitzt und sich idealerweise viel über Rollenspiel und andere Themengebiete, die beide Seiten interessieren, reden kann. Und danach ist man dann so pappensatt, dass man auch noch eine lustige Tischrunde einschieben kann und längere Zeit weder Chips noch Gummibärchen braucht ... :D
So - das waren meine Fragen, und da man ein Stöckchen ja nicht behalten, sondern weiterreichen soll, nominiere ich Pia von "Irgendwie nerdig", die Zeitzeugin und den Würfelhelden, mir Rede und Antwort zu stehen. Falls sonst noch jemand dieses Stöckchen auflesen möchte, fühlt euch frei, das zu tun - ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Antworten dann hier in den Kommentaren verlinkt!
01. Was ist dein ältester, noch gespielter Rollenspielcharakter?
02. Welche Rolle im PnP wolltest Du schon immer mal ausprobieren, hattest aber bislang nie Gelegenheit dazu?
03. Gab es in Deiner Umwelt schon Menschen, die negativ auf Dein Rollenspiel-Hobby reagiert haben?
04. Jemand schenkt Dir 5000€ für die Komplett-Ausstattung eines LARP-Charakters. Welchen Charakter würdest Du damit ausstaffieren?
05. Lieber Elfen oder lieber Orks?
06. Welches Spielerverhalten im Rollenspiel kannst Du überhaupt nicht leiden?
07. Mit welchen System erfolgte Dein "Erstkontakt" zum Rollenspiel?
08. Du hast ein neues RP-Regelwerk in die Hand bekommen. Welchen Teil des Regelwerks liest Du zuerst und warum?
09. Deine Spielrunde läuft irgendwie zäh und dröge - was tust Du, um das zu ändern?
10. Was ist Dein liebster Zauberspruch und warum ist er das?
11. Und zu guter Letzt auch noch eine Systemfrage - spielst Du lieber würfelintensiv oder lieber erzählintensiv?

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