Manchmal möchte ich glauben, ich befinde mich in irgendeiner seltsamen Paralleldimension, in der die Werte der '68er-Bewegung noch nicht so ganz angekommen sind. Bestes Beispiel sind TV-Formate wie 'Der Bachelor', in der langbeinige, schicke Mädels ihr Bestes geben, um einen offensichtlich vermögenden Junggesellen zu umgarnen.
An sich nichts Falsches, möchte man meinen, denn die Teilnehmerinnen stimmen ja aus eigenem Willen den Bedingungen der Show zu, die anscheinend daraus bestehen, dauernd wie frisch vom Stylisten herumzulaufen, sich wie eine grenzdebile Tussi aufzuführen, deren Hirn für die Dauer der Teilnahme nur noch 10% der übrigen Größe beträgt und hemmungslos von morgens bis abends den einzig vorhandenen Kerl anzuschmachten.
An sich nichts Falsches, möchte man meinen, denn die Teilnehmerinnen stimmen ja aus eigenem Willen den Bedingungen der Show zu, die anscheinend daraus bestehen, dauernd wie frisch vom Stylisten herumzulaufen, sich wie eine grenzdebile Tussi aufzuführen, deren Hirn für die Dauer der Teilnahme nur noch 10% der übrigen Größe beträgt und hemmungslos von morgens bis abends den einzig vorhandenen Kerl anzuschmachten.
Oder wie lässt sich sonst erklären, dass die Studentinnen, Verkäuferinnen, Trainerinnen, Lehrerinnen, Ex-Schauspielerinnen und Burlesque-Tänzerinnen kollektiv zu kreischen beginnen, wenn sie den Bachelor zu Gesicht bekommen oder auch einfach nur eine Videobotschaft von ihm erhalten? Ich weiss sehr genau, wann mich ein Mann zum Schreien bringt, und nein, eine Video-DVD in die Hand gedrückt zu bekommen gehört eindeutig nicht dazu.
Ich gebe es ja zu: Ich wollte einfach mal wissen, was es mit einer Show wie 'Der Bachelor' auf sich hat. Bisher habe ich dieses TV-Format boykottiert, weil es mir irgendwie seltsam vorkam, eine Sendung über unvermeidlichen Zickenkrieg zu machen, aber anscheinend läuft sowas ja recht gut. Siehe 'Germany's next Topmodel', in unserem Haushalt auch gerne liebevoll als 'Germany's next Schrottmodel' umbenannt.
Wobei ich bei dieser Sendung schon ein gewisses Mitgefühl für die Teilnehmerinnen habe, da die meisten einfach noch zu jung sind, zu unerfahren, um sich wirklich im Klaren zu sein, dass sie während dieser Sendung im Grunde prostituiert werden und die riesengroße Modelkarriere auch für die Gewinnerin eher eine Ausnahmeerscheinung sein dürfte.
Wobei ich bei dieser Sendung schon ein gewisses Mitgefühl für die Teilnehmerinnen habe, da die meisten einfach noch zu jung sind, zu unerfahren, um sich wirklich im Klaren zu sein, dass sie während dieser Sendung im Grunde prostituiert werden und die riesengroße Modelkarriere auch für die Gewinnerin eher eine Ausnahmeerscheinung sein dürfte.
Aber schon bei der ersten Folge hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Sendung nur dann besser wird, wenn ich meinen Kopf mit Anlauf gegen die Tischkante knalle. Zweiundzwanzig gutaussehende Frauen, einige davon mit richtig interessanten Jobs, andere noch in Ausbildung, deren Reaktion beim ersten Blick auf den heiratswilligen Junggesellen Leonard, seines Zeichens vermögender Unternehmensberater mit Kind aus erster Ehe, in eine Art Rauschzustand verfallen und sich mit kieksigen, gekreischten 'Der sieht ja gut aus!'-Feststellungen unwissend zu überbieten versuchen.
Die drei "weiblichen" S: Schön machen, Shoppen, Schreien
Mädels, im Ernst: Niemand würde die verdammte Sendung anschauen, wenn ein fünfzigjähriger, schmerbäuchiger alter Sack da auf euch warten würde. NATÜRLICH muss auch der Bachelor was für's Auge sein, sonst funktioniert das Format nämlich nicht. Auch die Zuschauerinnen sollen vom vermeintlich großen Fang träumen dürfen, sich an die Stelle der Mädels wünschen, die versuchen, mit den üblichen, den Frauen zugeschriebenen Mitteln um Leonard zu buhlen. Und das heisst: Schminken bis zum Umfallen, lästern, Zickenkrieg. Da wird die Bemerkung einer Kandidatin, dass sie mit Kindern nicht viel anfangen kann, zum absoluten Killerthema, das sich die folgenden drei Sendungen hartnäckig hält.
Die Hobbys der Mädels sind auch recht spannend - eine sammelt beispielsweise über 1500 Fläschchen Nagellack, ausreichend für gleich mehrere Leben mit sehr bunten Fingernägeln. Natürlich dürfen die obligatorischen Renner Reiten, Fitness, Schuhe, Shoppen und schickmachen nicht fehlen. Wo bleiben da bitte mal die gepiercten Punkerinnen, die Zockerbräute, die belesenen Fantasyfreundinnen? Das Beste, was es hier aus der Nerd-Ecke zu bieten gab, war die Kandidatin, die als Kind mal Hulk Hogan heiraten wollte, weil sie ein großer Marvel-Fan ist. Immerhin, ein paar Tattoos sind zu sehen, damit rettet sich RTL zumindest die Sympathien der Hautbildfans. Ansonsten ist Diversität eher Mangelware.
Die Hobbys der Mädels sind auch recht spannend - eine sammelt beispielsweise über 1500 Fläschchen Nagellack, ausreichend für gleich mehrere Leben mit sehr bunten Fingernägeln. Natürlich dürfen die obligatorischen Renner Reiten, Fitness, Schuhe, Shoppen und schickmachen nicht fehlen. Wo bleiben da bitte mal die gepiercten Punkerinnen, die Zockerbräute, die belesenen Fantasyfreundinnen? Das Beste, was es hier aus der Nerd-Ecke zu bieten gab, war die Kandidatin, die als Kind mal Hulk Hogan heiraten wollte, weil sie ein großer Marvel-Fan ist. Immerhin, ein paar Tattoos sind zu sehen, damit rettet sich RTL zumindest die Sympathien der Hautbildfans. Ansonsten ist Diversität eher Mangelware.
Der Bachelor wird vor verschiedenen Mädels gewarnt, die ja nur schauspielern würden, um die Show zu gewinnen. Er selbst sucht angeblich die Frau fürs Leben, die neben Intelligenz auch Charme, Stil und Selbstbewusstsein mitbringt, sucht sich aber zielsicher für seine Endrunde drei Damen aus, deren Optik nahezu austauschbar ist und die entweder durch heftigste Schüchternheit oder brutales Vordrängen im Spiel geblieben sind.
Jene Frauen, denen ich irgendwie echte Klasse und Intelligenz zugeschrieben hätte, wurden schon in den Vorrunden durch unseren Junggesellen aus dem Spiel gekegelt. Ob man mit einer solchen Show wirklich seine Traumfrau finden kann, wage ich zu bezweifeln - aber es zeigt, welches Gesellschaftsbild einer idealen Beziehung anscheinend noch immer existiert.
Jene Frauen, denen ich irgendwie echte Klasse und Intelligenz zugeschrieben hätte, wurden schon in den Vorrunden durch unseren Junggesellen aus dem Spiel gekegelt. Ob man mit einer solchen Show wirklich seine Traumfrau finden kann, wage ich zu bezweifeln - aber es zeigt, welches Gesellschaftsbild einer idealen Beziehung anscheinend noch immer existiert.
Willkommen zurück im Mittelalter...
Die Frau darf gut aussehen, ein bisschen naiv und unerfahren sein, idealerweise blond und blutjung, während der Mann im Leben die Führungsrolle einnimmt, einen dicken Batzen Geld mitbringt und sich eine Familienfrau wünscht, die gemeinsam mit ihm aufsteht. Wirklich weit vom Mittelalter haben wir uns, wenn man solche Shows mal genauer betrachtet, nicht entfernt.
Auch damals mussten Frauen jung sein, um noch viele Kinder gebären zu können. Intelligenz war sicher keine Grundvoraussetzung, da eine Frau sich nicht zu viel in das Tun ihres Mannes einmischen sollte, lieber gehorsam und angepasst bleiben. Und der Mann hatte dank Verfügungsgewalt über das Vermögen auch die Entscheidungsfreiheit innerhalb der Beziehung darüber, was gemacht wird und was nicht.
Auch damals mussten Frauen jung sein, um noch viele Kinder gebären zu können. Intelligenz war sicher keine Grundvoraussetzung, da eine Frau sich nicht zu viel in das Tun ihres Mannes einmischen sollte, lieber gehorsam und angepasst bleiben. Und der Mann hatte dank Verfügungsgewalt über das Vermögen auch die Entscheidungsfreiheit innerhalb der Beziehung darüber, was gemacht wird und was nicht.
Selbst in kleinen Details im Alltag ist für mich immer wieder zu merken, dass wir anscheinend als Gesellschaft noch nicht in einer modernen Welt angekommen sind. Ich selbst bin 1,85m groß, mein Lebensgefährte ist 10cm kleiner. Wie oft ich gefragt werde, ob er mir nicht zu klein ist und ob mich das denn nicht stört, dass mein Mann mich nicht körperlich überragt, kann ich inzwischen nicht mehr zählen. Meine Antwort ist da zumeist, dass man geistig auf Augenhöhe sein muss, um eine gute Beziehung zu führen und die Genetik dafür keine Rolle spielt.
Auch ein Mann mit 1,90m kann ein Idiot sein, mit dem man nichts hinbekommt. Rückblickend betrachtet war die Körpergröße bei keiner meiner Beziehungen jemals ein Entscheidungskriterium - aber anscheinend ist dieses Bild aus der Werbung immer noch in sehr vielen Köpfen vorherrschend. Denn auch mein Lebensgefährte wird von anderen Männern gefragt, ob ich ihm nicht zu groß sei.
Auch ein Mann mit 1,90m kann ein Idiot sein, mit dem man nichts hinbekommt. Rückblickend betrachtet war die Körpergröße bei keiner meiner Beziehungen jemals ein Entscheidungskriterium - aber anscheinend ist dieses Bild aus der Werbung immer noch in sehr vielen Köpfen vorherrschend. Denn auch mein Lebensgefährte wird von anderen Männern gefragt, ob ich ihm nicht zu groß sei.
Kein Wunder, dass einem manchmal ferne Welten als deutlich attraktiver erscheinen. Welten, in denen das Geschlecht viel weniger relevant ist als das, was der Charakter kann. Gerade bei Star Wars scheint mir die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern sehr deutlich vorhanden, auch wenn durch die Entstehungszeit der ersten Filme in den 70er/80er Jahren natürlich viele Hauptrollen noch vom damaligen Geschlechterbild geprägt mit Männern besetzt wurden.
Aber Star Wars ohne Prinzessin Leia, Ahsoka Tano, Rey und Padmé Amidala, SW:ToR ohne Satele Shan, Shae Vizla, Admiral Ranken, Kanzlerin Saresh oder Lana Beniko wären ganz andere Welten. Starke Frauen müssen männliche Handelnde nicht an die Wand drängen, sondern bieten ein notwendiges und interessantes Gegengewicht, sind Freunde, Gegner, Helfer, Hindernisse oder Geliebte.
'Das Schwarze Auge' hat schon früh gezeigt, dass eine relativ gleiche Verteilung von Männern und Frauen auf wichtige Posten die Sache deutlich interessanter machen kann. DSA war mein erstes Rollenspiel, das mir mit fünfzehn in die Hände geriet, und da habe ich in einem Rollenspielsystem erfreut feststellen dürfen, dass die Frage nach dem Geschlecht nur untergeordnete Bedeutung haben muss und im Grunde gar keine hat, wenn es darum geht, einen interessanten Charakter zu basteln.
Spannendere Welten gibt's wohl nur im Spiel
Andere Rollenspiele machen es glücklicherweise nach und limitieren die möglichen Rollen nur dann, wenn eine was Geschlechterrollen angeht, besonders restriktive Gesellschaft existiert. Da möchte man meinen, dass sich die Realität vom Rollenspiel ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnte - dann wären auch Sendungen wie 'Der Bachelor' deutlich interessanter.
Beispielsweise, wenn die Ladies beschließen, mit einem zünftigen Schwert- oder Faustkampf die Reihe der Interessentinnen ein bisschen auszudünnen, das viele Geläster mit einer tiefsinnigen Diskussion über Philosophie oder interessante Bücher unterbrochen wird und man sich generell einfach auf andere Arten auseinander setzt als nur durch hinterfotziges gegeneinander-Gezicke. Lieber ein Lichtschwert als das hundertste Paar Schuhe.
Beispielsweise, wenn die Ladies beschließen, mit einem zünftigen Schwert- oder Faustkampf die Reihe der Interessentinnen ein bisschen auszudünnen, das viele Geläster mit einer tiefsinnigen Diskussion über Philosophie oder interessante Bücher unterbrochen wird und man sich generell einfach auf andere Arten auseinander setzt als nur durch hinterfotziges gegeneinander-Gezicke. Lieber ein Lichtschwert als das hundertste Paar Schuhe.
Wenn für die Auswahl der Traumfrau ein bisschen mehr zählen darf als Aussehen und gut präsentierte körperliche Argumente oder Kussbereitschaft. Wenn nicht optische Perfektion einer modelhaften Norm entsprechend eines der Haupt-Auswahlkriterien ist, sondern bunte Vielfalt. Aber ich würde vermuten, dass solche Sendungen erst dann aufkommen, wenn wir es nicht mehr erleben werden. Falls bis dahin nicht die große Zombieapokalypse oder Atomexplosion passiert sind. Aber vielleicht suchen ja auch Zombiejunggesellen per TV-Show die Traum-Faulbraut, wer weiss. Und am Ende gewinnt die Dame, der am wenigsten während der Sendung abgefallen ist ...

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